Die Band

Die Lüneburger Anarcho-8-Bit-Popper haben sich im Laufe der letzten achtzehn Jahre durch Deutschland gepöbelt und mit einem Augenzwinkern jedes gängige Bühnenklischee sowohl bedient als auch im selben Atemzug zunichte gemacht. Wo Timmo, Nolde Europa und Naomi Sample auftraten, herrscht nicht selten der Ausnahmezustand. Ob Feuerwerkskörper, Bierschlachten, die Pogonäse oder Punchlines wie „Hausverbot bei Facebook“. Stets bestimmten Witze auf unterstem Niveau die Musik und nicht umgekehrt. Dabei wurd das Trio aus Lüneburg/ Hamburg nicht müde, immer wieder selten dämliche Gimmicks zu präsentieren. Den angeblich vom Fraunhofer Institut entwickelten Saufcomputer, die geschmacklose Darstellung Niki Laudas Unfall beim Nürburgring mit brennendem Helm oder die Verchromung des Frontmannes Timmo. Mit weit offenem Arsch und Mut zum musikalischen Scheitern schaukelten sich diese Typen live stets gegenseitig hoch.

Weit mehr als 100 Gigs in Deutschland, Holland, Österreich, Schweiz, Ungarn, Belgien und Italien später haben „Naomi Sample & the Go Go Ghosts“ auf der Bühne eigentlich alles ausprobiert, was ihnen zwischen Klositzung und Feierabendbier so in den Sinn kam. Meistens Dinge, die mit Musik nur im Entfernten zu tun haben und für die sich das Publikum ordentlich fremdschämen kann. Konsequent, dass das Trio sich seit 2012 selbst nicht mehr als Band bezeichnet, sondern als Kunstprojekt. Doch irgendwann machte es zeitgleich Klick hinter den drei Stirnen von Nolde Europa, Timmo LaBouche und Naomi Sample. Da war er doch – der Wunsch, endlich als Band wahrgenommen zu werden. Naomi veschanzte sich Monate hinterm Rechner und seinen Instrumenten, um echte Songs statt nur Tracks und Schleifen zu produzieren. Nolde packte die Gitarre aus und bemerkte, dass ein Keyboard auch Zwischentöne kann. Timmo fing an, ganze Texte zu schreiben – echte – mit mehr als einer brüllbaren Punchline. Die drei Piepelz verschanzte sich im Bierlabor von Noldes hauseigener Brauerei und produzierte kurzerhand ein komplettes Album. Und wumms da war es – „Robert Redford“ – ein Konzeptalbum, wie es konzeptloser nicht sein kann. Durchhörbar wie eine Folge Bibi Blocksberg. Manchmal dauert es halt mal 18 Jahre, bis eine Band weiß, was sie will und wofür sich das Altern lohnt.

„Naomi Sample & the Go Go Ghosts“ waren nie weg, aber sind zurück. Nicht unbedingt ruhiger, aber gelassener. Mit dem Wunsch, Geschichten zu erzählen, wie sie Ohren noch nicht ertragen mussten. Es ist 2022 – Es darf wieder live gespielt werden, Bei diesem Trio jedenfalls stehen alle Lampen auf Ding Dong!